Sicherheitsfenster, Einbruchschutz – wozu? - Wenn die wollen, kommen sie eh überall rein!

Das ist die Meinung von vielen Menschen. Für gewöhnlich werden ja immer die anderen Opfer eines Einbruchs, bei einem selbst passiert so etwas ja nicht. Denken zumindest sehr viele. Wenn es dann aber doch soweit kommt erkennt man recht schnell, dass die Fenster und Türen, die standardmäßig in Häuser und Wohnungen eingebaut werden, zwar Schutz bieten vor Regen und Kälte, aber ganz sicher nicht vor Einbrechern. Das Einbruchrisiko wird in Deutschland allgemein weiterhin unterschätzt, obwohl statistisch gesehen rund alle vier Minuten eingebrochen wird. Und dabei müssen die Einbrecher nicht einmal viel Werkzeug mitbringen, bei Standardfenstern und -türen ist ein einfacher Schraubendreher ausreichend, um das Fenster aufzuhebeln.

Bei mir ist nichts zu holen – auch hier wird man schnell eines Besseren belehrt

Viele Menschen denken, dass bei einem nicht genug zu holen ist, und man daher auch nicht das Ziel eines Einbruchs wird. Zum einen wissen die Einbrecher dies für gewöhnlich aber nicht, und irgendeine Wertsache befindet sich dann wahrscheinlich doch in der Wohnung. Fast jeder besitzt einen Laptop, ein Handy oder Schmuck, und oft liegt auch das gefüllte Portemonnaie in der Wohnung. Oder lassen Sie mich raten, Ihr Autoschlüssel liegt auf dem Schränkchen im Flur bzw. im Schlüsselkästchen. Während der Verlust solcher Dinge bereits eine schlimme Erfahrung ist, bricht für viele eine kleine Welt zusammen, wenn dann auch noch Erinnerungsstücke mitgenommen werden, die zwar eigentlich wenig Wert haben, aber dennoch wertvoll aussehen. Viele Einbrecher sind nicht in der Lage, den Unterschied zu erkennen, und dann ist das gute Stück verschwunden. Seien es Urlaubserinnerungen oder auch Erbstücke, diese Dinge werden die meisten nie mehr wiedersehen. Man sollte nie vergessen, dass Einbrecher immer darauf hoffen, gute Beute machen zu können. Oft werden zwar Einbruchsopfer zuvor ausgespäht, aber die meisten Einbrüche passieren relativ spontan ohne lange Vorbereitung. Auch die vermeintlich guten Verstecke, die Haus- oder Wohnungsbesitzer für ihre Wertsachen gefunden haben wollen, sind nicht halb so gut, wie sie meinen. Einbrecher durchsuchen alles, und das in einer sehr kurzen Zeit.

Die Versicherung zahlt ja

Wer über eine Hausratversicherung verfügt, wird dann wenigstens den materiellen Wert der gestohlenen Dinge erhalten, um sie neu zu kaufen. Ideelle Werte kann eine Versicherung aber nicht zurückbringen. Wichtig ist bei der Hausratversicherung auch, dass man regelmäßig überprüft, ob die Versicherung noch dem momentanen Hausstand entspricht. Bei einer Unterversicherung kann es schnell passieren, dass man nur einen Teil der gestohlenen Dinge ersetzen kann. Dazu kommt noch, dass die Opfer ihr bisheriges Sicherheitsgefühl verlieren und sich im eigenen Zuhause nicht mehr sicher fühlen.

Der Einbrecher muss es doch nur lange genug versuchen

Dies ist das Szenario „Wenn sie wollen, kommen sie überall rein“, und es wird den Menschen sehr gerne präsentiert. Man schaut fern, und in jeder zweiten Sendung bricht jemand in eine mit einbruchsicheren Fenstern ausgestattete Wohnung ein, oder setzt die Alarmanlage mal eben außer Gefecht. Das ist das Fernsehen, die Realität sieht aber ganz anders aus, das zeigt die polizeiliche Erfahrung. Nur wenige Einbrecher sind demnach absolute Profis, die mit allem Notwendigen ausgerüstet sind. In den meisten Fällen treiben Gelegenheitseinbrecher ihr Unwesen, die lediglich mit einem einfachen Schraubendreher ausgestattet sind. Mit diesem Werkzeug dauert es nur wenige Sekunden, bis einfache Standardfenster oder auch Standardtüren aufgebrochen sind.

Einbruchsichere Fenster und Türen – Schrecken der Einbrecher

Ganz anders sieht es aus, wenn man sich einbruchsichere Fenster und Türen zugelegt hat. Vielleicht sind diese Fenster irgendwann durch einen Einbrecher überwindbar. Aber das kostet Zeit, sehr viel Zeit, und genau diese Zeit hat der Einbrecher nicht, egal ob Profi oder Gelegenheitstäter. Mit jeder einzelnen Minute steigt das Risiko, dass man entdeckt wird, so dass die Täter ihren Versuch nach wenigen Minuten abbrechen.

Widerstandsklasse RC1 reicht aus – ebenfalls ein Irrglaube

Viele Hausbesitzer sind ganz stolz, wenn sie Fenster und Türen besitzen mit der Klassifizierung RC1. Sie sind der Meinung, dass dieser Schutz vollkommen ausreicht. Aber wie bereits berichtet sind die meisten Einbrecher unterwegs mit einem einfachen Schraubendreher. Wenn man dann weiß, dass Fenster und Türen der Widerstandsklasse RC1 lediglich darauf geprüft werden, ob sie körperlicher Gewalt von Einbrechern standhalten, welchen Sinn machen dann Produkte mit der Klassifizierung RC1? Sie können Einbrechern mit Werkzeug nichts entgegensetzen.

Widerstandsklassen RC1, RC2, RC2N, RC3 bis RC6

Diese Widerstandsklassen gibt es von RC1, dem einfachsten Schutz, bis RC6, dem höchsten Schutz. Seitens der Polizei wird empfohlen, für Wohnungen und Privathäuser RC2 und RC3 Fenster und Türen einzusetzen. Fenster und Türen mit der Klassifizierung RC2 wurden auf Angriffen mit verschiedenen Werkzeugen wie Schraubendreher, Zange oder Keile ausgesetzt und konnten die Prüfung bestehen.

Hauptsache Sicherheitstechnik – ob geprüft oder ungeprüft ist doch egal

Das kann ein fataler Irrtum sein. Obwohl es durchaus möglich ist, dass ungeprüfte Sicherheitstechnik ebenso gut sein kann wie die Sicherheitstechnik, die einer DIN-Prüfung unterzogen wurde, ist dies nicht der Normalfall. Wer auf die eigene Sicherheit bedacht ist, sollte sich nicht von den vermeintlich günstigen Preisen ungeprüfter Sicherheitstechnik locken lassen, denn sehr oft zahlt man dafür hinterher einen weitaus höheren Preis. Wichtig ist, dass das gesamte Fenster RC2 bzw. RC3 nach DIN1627ff geprüft und zertifiziert wurde. RC2-Beschlag zum Beispiel sagt beispielsweise noch nichts über das Glas, die Glasanbindung, das Profil, den Stahlkern usw. aus.

Interview mit dem Experten Holger Heinemann zum Thema Einbruchschutz für Fenster und Türen – was muss ich beim Kauf beachten?

Dies ist eine Frage, die sich viele Wohnungsbesitzer und Hauseigentümer stellen. Als Laie steht man vor dem großen Angebot und kann nicht sicher feststellen, welche Produkte denn nun wirklich den eigenen Anforderungen entsprechen. Im folgendem Interview hat sich der Experte Holger Heinemann vielen Fragen gestellt, die Kunden an ihn gerichtet haben.

Für wen sind Sicherheitsfenster und –türen besonders geeignet?

Holger Heinemann: Da kann ich es mir einfach machen und sagen: „Für alle die nichts geklaut bekommen möchten!“ Real ist das Thema logischerweise wesentlich komplexer. Es geht ja nicht nur um Einbruch hinsichtlich Diebstahl, sondern auch um Personenschutz. Zum Glück sind Einbrüche mit körperlichen Verletzungen für die anwesenden Bewohner selten, aber nahezu alle Einbruchsfälle haben seelische Spuren in Form von Angst oder Schlaflosigkeit bei den Opfern hinterlassen. Einige meiner Kunden haben tatsächlich nicht weiter in der Wohnung leben können und sind umgezogen. Letztendlich muss man, egal ob Garage, Einfamilienhaus oder Gewerbeimmobilie, individuell bewerten was sinnvoll ist. Sinnvoll heißt auch, dass es mit dem Budget der Eigentümer realisierbar ist.

Nennen Sie 2-3 Punkte warum es wichtig ist, die Fenster und Haustüren von privaten Häusern oder Wohnungen mit Sicherheit auszustatten

Holger Heinemann: In erster Linie, um vor Diebstahl zu schützen. Aber wie gesagt auch, um Personenschutz zu realisieren und ein wesentlich sicheres Wohngefühl zu haben. Ein Kunde von mir in Offenbach hatte 3 Einbrüche in einem Jahr. Dann haben wir RC3-Fenster montiert. Glauben Sie mir, das ist für ihn eine ganz andere Lebensqualität. Ganz nebenbei gibt es auch Fördergelder für einbruchshemmende Maßnahmen und man kann mit entsprechendem Schutz viele Beiträge für Versicherungsverträge deutlich reduzieren.

Welche Punkte muss ein Fenster erfüllen, um als Sicherheitsfenster bezeichnet werden zu können?

Holger Heinemann: Also generell sprechen wir anstatt von „Sicherheitsfenstern“ von „einbruchshemmenden Fenster bzw. Haustüren“. Jeder Hersteller hat so sein eigenes Rezept. Mechanisch sind die Pilzköpfe mit Abstand am weitesten verbreitet. Das große Problem ist, dass ich immer wieder erlebe, dass Kunden mir sagen: „wir haben extra auf Pilzkopfverriegelung geachtet!“ Doch was man dann sieht ist meiner Meinung nach Kundenverarschung. Zum Beispiel hintergreift die Verschlussplatte gar nicht, damit kann man sich den Pilzkopf sparen. Oder es sind nur zwei Pilzköpfe verbaut. Und das sind jetzt zwei Beispiele die noch gar nicht ins Details gehen. Also ich spreche ja noch gar nicht von der richtigen Montage des Fensters, von elektronischen Maßnahmen oder wie groß die Falzluft ist. Der Kunde glaubt Sicherheit zu kaufen, doch er kauft eine Pilzkopfverriegelung die nur vorgaukelt sie könnte Einbrüche hemmen. Manchmal hat man das Gefühl Hauptsache auf dem Papier sah es gut aus. Bei Häusern die durch Bauträgern in den letzten 15 Jahren gebaut wurden, liegt die Quote von absolut fehlerhaften Elementen hinsichtlich Einbruchschutz bei über 75%.

Ganz dreist wird es, wenn manche behaupten man bräuchte nur einen abschließbaren Griff. Es gibt richtig gute Anbieter und Handwerker auf dem Markt. Garantiert nicht nur die Firma ReklAr. Aber was in unserer Branche geschummelt und falsch beraten wird, nur um Aufträge zu bekommen ist wirklich unfassbar.

Für den Endkunden bringen wir es kurz und knapp auf den Punkt: die Elemente müssen RC2 oder RC3 nach DIN 1627ff geprüft und zertifiziert sein. Das ist meiner Meinung nach die einzige Methode, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wenn dann ein Unternehmen noch „Mechanischer Errichter“ und somit bei den Empfehlungslisten der Polizei gelistet ist, ist man absolut auf dem richtigen Weg.

Noch ergänzend zu RC2 und RC3. Auch hier wieder Vorsicht mit Bezeichnungen wie „RC2 ähnlich“, „RC2-Beschlag“ oder „RC2 auf unser Normfenster“. Es gibt noch die Klasse RC2N, über die man nachdenken kann und die für den kleinen Geldbeutel eine Alternative sein kann. Für alles ist eine individuelle Fachberatung nötig. Denn eins ist klar: im 2.OG können wir anders planen, als hinten im Haus zum Garten, wo die Büsche oder Zäune für sichtgeschützte Balkontür sorgen.

Können Sicherheitsfenster nach Maß hergestellt werden, oder gibt es sie nur in festgelegten Größen?

Holger Heinemann: Alles auf Maß und alles mit individueller Ausstattung.

Gibt es verschiedene Arten von Sicherheitsglas, das für die Sicherheitsfenster genutzt wird?

Holger Heinemann: Natürlich! Das sogenannte P4A-Glas ist das gängige für RC2. P6B bei RC3. Ich habe mich selber schon oft mal an Musterfenstern ausprobiert. Das hält enorm viel aus. Bei den Gläsern liegt übrigens der größte Teil der Aufpreise. Zudem werden die Gläsern schnell enorm schwer und die Montagekosten steigen. Hier ist Erfahrung bei der Beratung und Planung gefragt. Noch ein Tipp für Käufer: Ganz wichtig ist auch die Glasanbindung und die damit verbundene Revisionierbarkeit des Glases. Ich erkläre jetzt aber nicht warum. Wir wollen ja Einbrechern hier keine Tipps geben.

Gibt es Sicherheitsfenster nur als Kunststofffenster, oder gibt es auch andere Möglichkeiten?

Holger Heinemann: Das wäre schlimm! Es gibt auf dem Markt genauso auch Anbieter, die RC2- und auch RC3-zertifizierte Elemente in Alu, Holz, Holz-Alu oder Kunststoff-Alu anbieten. Bei Holz muss man ganz stark auf die Holzart achten. Weichhölzer wie Kiefer splittern zu schnell. Harthölzer wie Eiche sind da wesentlich robuster. Wir bieten hauptsächlich Eukalypthus globulus aus Galizien an. Brutal hart, langlebig und eine wunderschöne Maserung. In der Branche wird nach wie vor viel Meranti angeboten. Für uns ist das ein absolutes No-Go. Der Einschlag von Meranti geht nach wie vor einher mit der Zerstörung der Tropenwälder. Daran beteiligen wir uns nicht und unsere Kunden begrüßen das sehr.

Welche Widerstandsklasse ist am besten geeignet für die optimale Sicherheit?

Holger Heinemann: Dafür ist ein persönliches Gespräch vor Ort unabdingbar. Die Sache hat mehrere Dimensionen: Wie kommt man von außen an das Element dran? Wie versteckt liegt das Element? Was gibt es noch für andere Wege ins Haus? Wie groß ist der zu sichernde Wert und natürlich auch, welches Budget steht zur Verfügung? Grundsätzlich rate ich bei allen Elementen, die von außen leicht erreichbar sind, mindestens zu RC2.

Welche Widerstandsklassen werden angeboten?

Holger Heinemann: RC1 bzw. RC1N gelten auch in der Norm nur als „Vandalismusschutz“ und sind deshalb selbst für den Schutz vor Gelegenheitseinbrecher ungeeignet. Interessant wird es mit RC2 und – mit deutlichen Abstrichen – RC2N. Für sehr guten Schutz RC3. Für Banken, Juweliere etc. RC4 und höher. Hinzu kommt dann noch die ganze Elektrotechnik, die möglich ist. Die goldene Regel heißt: erst mechanisch hemmen und dann die Einbruchszeit nutzen und den Täter elektronisch hinweisen, dass er bemerkt wurde! Dann sind die erfolgreichen Einbruchsversuche im ganz tiefen einstelligen Prozentbereich.

Was hat es mit diesen RC2 oder RC3 auf sich?

Holger Heinemann: Sehr wichtig Frage! Es geht um eine allgemein geltende Norm, mit denen Kunden es leicht haben, Qualität zu erkennen. RC steht für „Resistance Class“ – also Widerstandsklasse. Deshalb früher auch WK1, WK2, WK3 bzw. WKI, WKII und WKIII genannt. Wenn ein Hersteller diese Güte erreichen möchte, muss er von einem unabhängigen Institut eine Prüfung beauftragen. Im praktischen Teil der Prüfung wird das Fenster bei RC2 insgesamt 3 Minuten lang angegriffen. Bei RC3 sind es 5 Minuten. Bei RC2 ist hauptsächlich der lange Schraubendreher, Klotzkeile und ein kleiner Hammer als Tatwerkzeug zu nennen. Das Brecheisen kommt erst bei RC3 dazu. Kurz gesagt: bleibt das Fenster in der Zeit zu, ist der Test bestanden. Wirklich gute Hersteller lassen nicht nur einzelne Normgrößen testen, sondern machen eine sogenannte Systemprüfung. Dies bedeutet, dass auch andere Größen, Balkontüren, zweiflügelige Fenster, andere Formen wie Rundbögen oder Dreiecke getestet werden, aber auch mit abweichender Ausstattung. Wir sind mit PaX nicht verheiratet, aber da muss ich für das Unternehmen echt eine Lanze brechen. Die machen das so akribisch und umfassend, dass ich für mich sage: Stand heute, bester Anbieter auf dem Markt. Ich sage Ihnen auch noch zwei Gründe warum. Zum einen weil die Elemente über eine enorme Reserve verfügen. Das heißt, die Fenster gehen auch nicht 30 Sekunden später auf. Selbst Profis beißen sich da echt die Zähne aus. Und zweitens haben wir bei ReklAr bis heute noch keinen einzigen Kunden gehabt, der bei uns anrief und sagte: „ihr PaX-RC2 oder RC3-Fenster wurde heute Nacht erfolgreich aufgebrochen!“ Und das ist doch mal ein Wort.

Um zu erfahren was, so ein RC2- oder RC3-Fenster kann, würde ich gerne selber mal Einbrecher spielen – kann man das irgendwo machen?

Holger Heinemann: Das ist tatsächlich sehr heilend. Wenn man das mal selber gemacht hat weiß man, warum so viele Bestandteile hervorragend miteinander kombiniert sein müssen. Ein- bis zweimal im Jahr opfern wir mal ein Fenster, und die Kunden dürfen sich versuchen. Es hat natürlich noch nie jemand geschafft, es zu öffnen. Auf unserem Youtube-Kanal (www.tv.reklar.de) haben wir ein paar Videos, wo sich zum Beispiel Feuerwehren in Form eines Tags der offenen Tür versuchen. Da bekommt man einen Eindruck.

Was ist an einem Sicherheitsfenster noch wichtig außer dem Glas?

Holger Heinemann: Es spielen viele Details eine Rolle. Das Fensterprofil muss schon so geschaffen sein, dass man so wenig Halt wie möglich findet, um einen Hebel anzusetzen. Wir haben da ein tolles Video auf Youtube (www.tv.reklar.de), bei dem eine Feuerwehr mit einem 11-Tonnen-Spreizer angreift. Die Verriegelung würde die 11-Tonnen nicht halten können, aber da einfach kein Platz ist zum Ansetzen geboten wird, bzw. die Profile gezielt nachgeben um den Druck aufzunehmen, dauert es irrsinnig lange. Die Falzluft spielt eine große Rolle, die Glasanbindung, das Getriebe, der Griff, die Verriegelung, die Verschlussplatten und deren richtige Verschraubung, der Stahlkern im Kunststoff bzw. das richtige Holz, die Montage mit dem richtigen Montagematerial individuell abgestimmt auf das Mauerwerk, Rollläden, durchbruchhemmende Brüstungsplatten, ggf. Profilzylinder samt deren Sicherung und die Kombinierbarkeit mit anderen Wünschen wie Alarmanlage. Es ist ja schließlich ein Unterschied, ob der Hersteller nur das einflüglige Fenster zertifiziert hat, oder auch die zweiflüglige Balkontür mit Stulp, Schwelle, verdecktliegenden Bändern und dann am besten noch beidseitig abschließbar.

Muss man seine Fenster in Frankfurt, Offenbach und Mainz anders schützen als in Gelnhausen, Neu-Isenburg, Obertshausen oder gar Jossgrund?

Holger Heinemann: Dafür gibt es natürlich keine Garantien. Im Einbruchsfall ist es egal, wo das Gebäude steht. Aus der Erfahrung heraus macht man im ländlichen Bereich oder in der Stadt mit vermeintlich guter Nachbarschaft den großen Fehler zu glauben, die Nachbarn würden im Zweifel etwas mitbekommen. Das ist absoluter Quatsch. Die Täter marschieren nicht mit Blaskapelle auf, sondern machen das schon so, dass es nicht auffällt. Wir erkennen oftmals für eine gewisse Zeit ein ähnliches Angriffsbild. Sagen wir in Rodgau und Rödermark vier Einbruchsversuche, die kurz hintereinander von der Herangehensweise ähnlich sind. Alles was in Autobahnnähe ist, sollte man schon vorsichtiger sein. Aber nehmen Sie mal Dietzenbach. Da ist die Autobahn vergleichsweise weit weg. Trotzdem enorm viele Einbrüche. Und Sie werden es nicht glauben, selbst in unserem herrlichen Jossgrund wird mehr eingebrochen als man vermutet.

In welcher Preisklasse liegen diese Sicherheitsfenster, was sind die ungefähren Kosten?

Holger Heinemann: Viele Anbieter haben unter dem enormen Preisdruck der Branche günstige Profile ohne nennenswerte Einbruchshemmung. Diese dann auf entsprechendes Niveau zu heben, kostet oft gutes Geld. Ich mache mal lieber das Beispiel mit PaXabsolut. Das ist ein Kunststofffenster von PaX und selbst in der Basis-Ausführung schon so weit, dass der Stahlkern nicht mehr geändert werden muss. Auch das Profil hat viele tolle Kniffe, die sehr hilfreich sind. Die rundum Pilzkopfverriegelungen sind dann pro Flügel nur noch 15,- bis 35,- EUR. Um auf RC2 zu kommen, noch ein paar Dinge dazu, und natürlich die P4A-Sicherheitsverglasung. Hier sollte man 150,- bis 250,- EUR pro Quadratmeter Aufpreis rechnen. Ein einflügliges Kunststofffenster beidseitig weiß, 2fach verglast, ohne Beschattung, in RC2, Größe 1.000×1.260mm liegt zzgl.Montage, inkl. MwSt. zwischen 600,- bis 800,- EUR. Bei Haustüren ist es wesentlich komplexer, da hier die Optik für den Preis die wesentlichste Rolle spielt.

Wie sollte man als Hauseigentümer vorgehen?

Holger Heinemann: Wenn man es neutral haben möchte, dann gerne vorab die Polizei. Man kann sich bei der Kriminalpolizei einen Beratungstermin geben lassen. Zum Beispiel in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Gelnhausen oder Mainz. Die kommen vorbei, und beraten im Rahmen ihrer Präventionsarbeit. Prinzipiell kann man auch gleich ein Unternehmen wie ReklAr kommen lassen, die sogenannte „Mechanische Errichter“ sind. Wir schauen uns alles an, beraten, zeigen Produkte und arbeiten ein Angebot aus. Dann kommt die schwierigste Phase: das Vergleichen von Angeboten. Zugegeben, das ist wie bei vielen anderen Produkten auch unglaublich schwierig für jemanden, der dies nur alle 25 bis 30 Jahre mal macht. Ich kann da nur raten, lieber persönliche Kompetenzen zu wählen, anstatt sich von 5% Preisvorteil und glänzenden Prospekten beeindrucken zu lassen.

Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Interview!

Verschiedene Einbruchmethoden – ohne Fenster mit Einbruchschutz führen sie zum Erfolg

Um ein Haus oder eine Wohnung vor Einbrechern zu schützen ist es wichtig, die Schwachstellen zu kennen, aber auch Kenntnis über die Arbeitsweisen der Einbrecher hilft, die entsprechenden Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

80 Prozent aller Einbrüche werden durch Gelegenheitstäter durchgeführt. Wie der Name schon sagt streifen diese Täter durch die Umgebung, und suchen nach passenden Gelegenheiten. Scheint niemand zu Hause zu sein, wird der Versuch eines Einbruchs gestartet. Mit entsprechenden Sicherheitsfenstern und Sicherheitstüren wird dieser Versuch im Keim erstickt.

Die unterschiedlichen Methoden

Aufhebeln – die beliebteste Methode überhaupt

Ein einfacher Schraubendreher und vielleicht noch ein kleiner Keil, schon hat man das passende Einbruchwerkzeug dabei. Innerhalb nur weniger Sekunden sind ungesicherte Fenster und Türen mit diesen Werkzeugen aufgehebelt, oft werden Fenster und Tür dabei nur ganz gering beschädigt. Dies zeigt, wie einfach es die Einbrecher mit den üblichen Standardfenstern haben, diese sind praktisch eine Einladung, das Haus leer zu räumen.

Glasdichtung durchstechen

Auch dies ist eine recht oft genutzte Methode. Dabei wird die Glasdichtung mit einem Schraubendreher durchstochen, Ziel ist es, den Griff des Fensters oder der Tür zu erreichen. Wenn sie in der Lage sind, diese Griffe zu bewegen, können sie Fenster und Türen ganz leicht öffnen.

Glasdurchgriff

Direkt in der Nähe des Griffs wird bei dieser Methode ein Stück der Glasscheibe entfernt oder einfach eingeschlagen, so kann der Einbrecher an den Griff gelangen, und Fenster oder Tür öffnen. Diese Methode sieht man zwar oft in Krimis, aber da werden die Einbrecher auch meistens gefasst, weil sie sich am Glas verletzten und dementsprechend durch die Blutspuren identifiziert werden können. Zudem geht das Einschlagen des Glases auch nicht lautlos von statten, daher wird diese Methode kaum angewandt.

Flippermethode

Eine recht lustige Bezeichnung, aber wenn diese Methode Erfolg hat, vergeht dem Hauseigentümer der Spaß. Diese Methode kennt sicherlich jeder aus dem Fernsehen, eine Kreditkarte reicht aus, und schon ist die Tür auf. Das funktioniert sogar, allerdings nur dann, wenn die Tür nicht abgeschlossen sondern lediglich zugezogen wurde. Also zumindest immer abschließen, wenn man das Haus verlässt!

Picking

Wer mit dieser Bezeichnung nichts anfangen kann, hat sicher keine Bildungslücke, denn auch wenn man den Namen nicht kennt, die Methode hat jeder schon einmal im Fernsehen gesehen. Dies ist die Methode, bei der mittels spezieller Werkzeuge die Zuhaltestifte der Tür abgetastet werden, um dann letztendlich zurückgeschoben zu werden. Aber hier kann man relativ beruhigt sein, diese Methode funktioniert zwar, aber dafür wird nicht nur ein recht teures Werkzeug benötigt, sondern auch jede Menge Erfahrung, und beides bringen Gelegenheitseinbrecher nicht mit. Von daher eine medienwirksame Methode im TV, in der Realität nur äußerst selten anzutreffen.

Förderung für Einbruchschutz an Fenstern

Selbstverständlich ist die Ausstattung einer Wohnung oder eines Hauses mit einbruchsicheren Fenstern mit Kosten verbunden. Diese Kosten muss der Eigentümer oder auch der Mieter nicht alleine tragen, denn es gibt Förderprogramme, die dafür Kredite und Zuschüsse zur Verfügung stellen. Die KfW bietet hier zum Beispiel Fördergelder an, die allerdings nur in Kombination mit den Programmen „Energieeffizient Sanieren“ zur Verfügung gestellt werden. Aber dies ist kein großes Problem, denn in den meisten Fällen erfüllen neue, einbruchhemmende Fenster auch die Anforderungen an die Energieeffizienz. In Kombination mit Energieeffizienz sind dann Einbruchschutzmaßnahmen wie der Einbau von einbruchsicheren Fenstern oder Fenstertüren der Widerstandsklasse RC 2 förderfähig, ebenso wie der Einbau von Haus- und Wohnungseingangstüren der Widerstandsklasse RC 2. Aber auch Pilzkopfverriegelungen, drehgehemmte Fenstergriffe, Sicherheitszylinder und einiges mehr sind förderfähig. Weitere Informationen zu den Fördermöglichkeiten bei einbruchsicheren Fenstern gibt es bei der KfW.